Reisetipps und Erfahrungsbericht für Teneriffa

Die zweite Station unseres Kanaren-Inselhoppings war Teneriffa. Die Insel wird als vielfältig gepriesen, als Insel für diejenigen, die sich nicht entscheiden können und alles haben wollen: Trubel und Einsamkeit, Strände und Gebirge, Städte und Landschaften. Tatsächlich findet ihr alles davon auf Teneriffa. Für mich war die Insel aber irgendwie nicht greifbar, sie war alles ein bisschen, aber nichts so wirklich.  Zudem wirkt die Insel wie ein großer Freizeitpark. Entlang der Autobahn werben Schilder für den Loro Parque, den Siam Park und andere Attraktionen. Aber natürlich gibt es auf der Insel auch ruhige Ecken abseits des Trubels.

Der unbestreitbare Vorteil der Insel ist einfach, dass man unglaublich viel unternehmen kann. Wir hatten eine Menge schöne Erlebnisse auf der größten kanarischen Insel, von denen ich euch die Highlights vorstellen möchte.

Whale Watching, oder eher Dolphin Watching

Auf den Kanaren gibt es das ganze Jahr über viele verschiedene Wal- und Delfinarten zu beobachten. Da ich noch nie einen Delfin, geschweige denn einen Wal, in freier Natur gesehen habe, wollte ich mir das nicht entgehen lassen. Wichtig war mir dabei, dass die Wale von den Touri-Booten nicht bedrängt werden. Bei meiner Recherche fand ich heraus, dass Betreiber des sanften Whalewatchings die „blue boat“ Flagge verliehen bekommen. Als wir in Costa Adeje nach einem geeigneten Anbieter suchten und den Hafen entlang schlenderten, sprach uns sofort ein Whale Watching Betreiber an. Auf meine Nachfrage, ob der Veranstalter das „Blue Boat“-Siegel hätte, bejahte er eifrig und zeigte mir auf seinem Flyer das Logo.  Nachdem wir uns noch erkundigt hatten, mit welcher Wahrscheinlichkeit wir einen Wal oder Delfin zu Gesicht bekommen würden, versicherte er uns: „99,99%“! An seiner Aussage zweifelnd, aber wenigstens mit einem guten Gewissen zahlten wir die 20 Euro pro Person und begaben uns zum Boot, auf dem jeder Gast einen guten Sitzplatz fand.

„Pilot Whales in front of us!“

Wenig später stießen wir auf See und hielten fleißig Ausschau nach den Rückenflossen. Lange Zeit war leider überhaupt nichts in Sicht und wir sahen uns schon ein ernstes Gespräch mit dem 99,99%-Werbemann führen. Doch dann rief der Kapitän: „Pilot Whales!“ Und tatsächlich: Bestimmt zehn delfinähnliche Wesen tauchten vor uns auf und ab. Wie wir später herausfanden, sind die Pilotwale bzw Grindwale „nur“ Delfine, doch es war trotzdem ein einzigartiges Erlebnis – wenn ich im Nachhinein auch ein wenig bezweifele, ob die „Blue Boat“-Flagge ihren Zweck erfüllt. Denn das Boot wurde zwar langsamer, als wir uns den Tieren näherten, doch, wie ich es als Laie beurteilen kann, wurde der Motor nicht ausgeschaltet. Dabei ist das Abstellen des Motors eigentlich Pflicht, um die Meeressäuger nicht zu stören. Dadurch kamen wir den Tieren so nahe, dass sie beinahe unter dem Boot verschwanden – ich hatte schon Angst, dass sie sich am Boot oder dem Motor verletzen würden. Inwiefern diese Angst berechtigt ist, kann ich nicht sagen. Doch insgesamt hinterließ das Whale Watching bei mir eher ein ungutes Gefühl, und ich glaube, dass  der Kapitän sich trotz des „Blue Boat“-Siegels nicht so ganz an die Richtlinien hielt.

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Grindwalmutter mit ihrem Jungen zwischen Teneriffa und La Gomera

Nationalpark Teide

Der Teide ist wohl das beliebteste Ausflugsziel auf Teneriffa und stand natürlich auch bei uns auf dem Programm. Wie die meisten Leute wollten wir mit der Seilbahn hoch hinaus und fuhren um etwa elf Uhr von Puerto de la Cruz hoch in den Nationalpark. Die Landschaft beeindruckte schon auf dem Weg durch ihren wüstenartigen Charakter. Doch die Freude verging uns schlagartig, als wir uns dem Parkplatz der Seilbahn näherten. Wir hatten nicht geahnt, dass die Parkplatzsuche einer Reise nach Jerusalem glich: Zig Autos lauerten auf einen frei werdenden Parkplatz. Als wir endlich eine Stunde später einen fanden, lagen die Nerven blank. Mit Unmengen anderer Touristen trotteten wir den kleinen Berg zur Seilbahnstation herauf. Doch es stellte sich heraus, dass wir noch unvorbereiteter an die Sache herangegangen waren, als gedacht. Als wir uns für ein Seilbahnticket anstellten, teilte uns eine Anzeige mit, dass die nächste freie Fahrt erst um 15:30 Uhr verfügbar wäre. Was bedeuten würde, über drei Stunden auf die Fahrt zu warten. Der stolze Ticketpreis von knapp 30 Euro pro Person gab für uns den Ausschlag, auf den Teide zu verzichten und stattdessen  einfach so eine kleine Runde im Nationalpark zu drehen, was auch sehr schön war.

Also: Tickets auf jeden Fall im Vornherein im Internet kaufen und genügend Zeit für die Parkplatzsuche einplanen, dann klappt das Vorhaben bestimmt! Wir haben den Teide mal auf den nächsten Besuch aufgeschoben.

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Nationalpark Teide

Anaga-Gebirge

Im Nordosten Teneriffas befindet sich das Anaga-Gebirge. Hier warten kurvige Straßen, grüne Wälder, Nebelschwaden und Einsamkeit auf euch. Alleine schon durch das Gebirge fahren, ist ein Erlebnis für sich – auch wenn es für den Fahrer auf Dauer ein wenig anstrengend werden kann. Die Wolken, die sich im Gebirge verhängen, bewegen sich blitzschnell und bieten immer wieder unglaubliche Schauspiele, die sich kaum auf einem Foto einfangen lassen.

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Wolken im Anaga-Gebirge

Natürlich wollten wir auch zu Fuß die Wälder kennenlernen. Nach den wanderintensiven Tagen auf La Palma hatten wir jedoch nur auf eine kleine Runde Lust. Wenn es euch ähnlich geht, habe ich den perfekten Tipp für euch: Ab dem Besucherzentrum bzw ab dem Mirador Cruz del Carmen geht der „Sendero de los Sentidos“, ein Sinnespfad, los. Dieser ist in drei Schwierigkeitsstufen gegliedert. Die erste  dauert nur fünf Minuten und ist, da man über Stege läuft, auch mit Kinderwagen oder Rollstuhl machbar. Wir haben die längste Runde, also Pfad 3 gemacht, die jedoch auch nur 45 Minuten in Anspruch nahm und damit auch eher Spaziergang als Wanderung war. Trotzdem bietet der Rundgang einen schönen Einblick in den Märchenwald.

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Spaziergang durch die Wälder

Playa Benijo

Anschließend ging es für uns noch zum Playa Benijo, der oft als schönster Naturstrand Teneriffas gerühmt wird. Ob es stimmt? Schwer zu sagen. Ist man nicht gerade im Anaga-Gebirge untergebracht, ist der Besuch auf jeden Fall an eine lange und kurvenreiche Anfahrt gebunden. Außerdem herrscht hier hinter den Bergen oft eine düsterere Stimmung, was natürlich auch seinen Reiz hat. Gerade zu den Felsen und den mächtigen Wellen passt es sogar ganz gut. Hier habe ich auf jeden Fall ein paar der schönsten Bilder Teneriffas geschossen. Zum Baden ist der Strand jedoch eher ungeeignet.

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Playa Benijo

Playa de Las Teresitas

Kommen wir zum nächsten Strand, dem Kontrastprogramm zum Playa Benijo. Der angeblich schönste künstliche Strand Teneriffas ist der Playa de Las Teresitas hinter Santa Cruz de Tenerife. Der goldene Sand wurde direkt aus der Sahara eingeschifft und sorgt mit den Palmen und dem klaren Wasser für Urlaubsfeeling. Hier kann ich jedoch kein schönes Bild einfügen, da wir ziemlich schnell wieder weg vom Strand waren. Problem war der peitschende Wind, der uns die ganze Zeit den feinen Sand in die Augen schlug und unsere Habseligkeiten wegwehen wollte. Doch ansonsten wäre der Strand aus meiner Sicht wirklich zu empfehlen. Durch den Wellenbrecher lässt es sich entspannt baden und das Wasser ist schön klar. Nur muss man sich bewusst sein, dass in Sichtweite Tanker ankern. Fazit: Zwar ein schöner Strand, aber dass die karibische Idylle hier nachträglich hereingepflanzt wurde, ist unschwer zu erkennen.

Küstenwanderung ab Puerto de la Cruz

Ein toller kleiner Ausflug, falls ihr in Puerto de la Cruz untergebracht seid. Ab dem Maritim Hotel geht ein Küstenwanderweg ab, der malerisch an der schroffen Atlantikküste entlang führt. Es geht vorbei an Felsformationen und durch kleine Städte.

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Felsformationen bei Puerto de la Cruz

Wir sind bis zu der Industrieruine „Casa Hamilton“ gelaufen, die mitten in der schroffen Landschaft seltsam deplatziert wirkt und mir eine leichte Gänsehaut bescherte. Dem Küstenweg kann man noch bis zum Mirador de San Pedro folgen.

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Casa Hamilton

Lago Martianez

Die Sehenswürdigkeit in Puerto de La Cruz ist eine Art öffentliches Freibad. Doch in den Becken befindet sich kein Chlorwasser, sondern klares Meerwasser. Eine super Alternative, wenn die Wellen an den Stränden zu hoch schlagen. Unser Highlight war neben den schönen Pools die „Wellendusche“, die gerade bei hohen Wellen Spaß macht: Platziert man sich günstig am Geländer der Anlage Richtung Meer, kann man die Naturgewalt beobachten und bekommt bei besonders starken Wellen die ein oder andere Dusche ab – eine schönere Abkühlung wurde mir lange nicht mehr verpasst!

Darauf könnt ihr verzichten

Wir hatten auch ein paar Ausflüge im Programm, die uns letztendlich nicht überzeugen konnten. Dazu gehörten:

-Die Hauptstadt Santa Cruz de Tenerife hat keine schönen Ecken und ist hauptsächlich laut und dreckig. Urlaubsstimmung kam hier bei uns nicht auf. Auch der botanische Garten „Palmetum“ hat uns nicht aus den Socken gehauen.

-Die Touristenhochburgen im Süden wie Los Cristianos oder Costa Adeje sind wirklich nur lärmende Touristenstädte mit Unmengen an Restaurants und Souvenirläden. Schöner untergebracht ist man in kleineren Städten oder in der Touristenstadt Puerto de la Cruz im Norden. Hier ist alles ein wenig kanarischer und stimmungsvoller.

Darauf haben wir verzichtet

Auf Teneriffa gibt es so viel zu erleben, dass wir gar nicht alles unternehmen konnten, was wir uns vorgenommen hatten. Weitere Ideen für euren Urlaub wären etwa das Dörfchen Masca im Tenogebirge, die Altstadt von La Orotava oder die Mondlandschaft „Paisaje Lunar“.

Gegen eine Sehenswürdigkeit haben wir uns jedoch ganz bewusst entschieden und das war der Loro Parque. Wir haben lange überlegt, ob wir den berühmten Zoo besuchen wollen, vor allem da man wirklich auf der ganzen Insel durchgehend mit Werbung konfrontiert wird. Doch letztendlich entschieden wir uns dagegen, da wir die Orca-Show nicht mit unserem Gewissen vereinbaren konnten.

Falls ihr noch mehr zum Thema lesen wollt, werft gerne noch einen Blick in meine anderen Blogeinträge über La Palma und Fuerteventura.

Oder lasst euch von meinen Tipps fürs Inselhopping auf den Kanaren inspirieren!

4 Kommentare zu „Reisetipps und Erfahrungsbericht für Teneriffa“

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